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Volkshochschulen überwinden Grenzen – ein Tagungsrückblick

Nach der grossen Hitzewelle ist jetzt ist ein guter Moment für den längst fälligen Rückblick: Im Mai durften René Inderbitzin und Marc Herkenrath den VSV an der Bundeskonferenz der mittelstädtischen deutschen Volkshochschulen vertreten. Möglich machte dies ein Förderbeitrag von Movetia.

Das Konferenzthema lautete schlicht: «An der Grenze». Vorträge, Werkstätten und intensive Diskussionen drehten sich um die wichtige Rolle der Volkshochschulen in einer Gesellschaft, in der zentrale Werte wie Demokratie und Nachhaltigkeit zusehends an Grenzen stossen.

Michael Zürn, Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin analysierte in einem spannenden Plenarvortrag die gegenwärtige «demokratische Regression». Der weltweite Aufstieg des autoritären Populismus ist für ihn Ausdruck der politischen Frustration von Menschen, die sich ökonomisch unter Druck und zugleich demokratisch entmachtet fühlen: Die wirtschaftliche Globalisierung schränkt die ökonomischen Aufstiegschancen ein, und Politik wird zunehmend von internationalen Organisationen und technokratischen Experten gemacht.

Das Gegenmittel, so Zürn, ist lokale Demokratie, die echte politische Partizipation ermöglicht – und gut informierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger braucht. Umso wichtiger sind die Volkshochschulen, die Bildung zur Vernunft vermitteln.

Prof. Dr. Niko Paech betonte in seinem Vortrag zur Postwachstumsökonomie, dass ökonomischer Aufstieg heute nicht mehr das Kriterium für ein erfolgreiches Leben sein kann: Die Vorstellung von endlosem Wachstum, permanenter Verfügbarkeit und ungehemmtem Konsum hat ihre Grenzen erreicht. Wenn die notwendige gesellschaftliche Transformation nicht bereits aus Einsicht entsteht, dann wird sie unfreiwillig durch ökologische, wirtschaftliche und soziale Krisen zustande kommen.

Besser ist aber, wir besinnen uns schon vorher auf menschliche Werte zurück – also auf das Glück der Genügsamkeit. Diesem hat unser Verband ein ganzes Bildungsprogramm gewidmet.

Wie immer bot die Konferenz auch gute Gelegenheit für den persönlichen Austausch, heitere Momente und Kultur. Bei einer Führung durch das Moerser Schloss lernten wir, wie Gräfin Walburg von Neuenahr-Moers immer wieder Pech mit ihren Männern hatte: Ihren ersten Gatten köpften die Spanier, der zweite starb bei einer Pulverexplosion. Der Legende nach spukt sie seit rund 400 Jahren durch die Schlossräume.