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Neue Studie zeigt: Viele Suffizienz-Massnahmen finden Zustimmung

Wie offen ist die Schweizer Bevölkerung gegenüber Suffizienz? Dieser Frage geht die Studie Sufficiency 23 der Berner Fachhochschule (BFH) nach. Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung mit rund 4’000 Personen sind bemerkenswert. Obwohl der Begriff «Suffizienz» kaum bekannt ist, stösst ein grosser Teil konkreter Massnahmen auf breite Zustimmung.

Was heisst Suffizienz?
Suffizienz bedeutet eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs durch veränderte Konsummuster und passende gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Ziel ist es, Lebensqualität innerhalb der planetaren Grenzen zu ermöglichen. Die BFH-Studie zeigt allerdings, dass der Begriff «Suffizienz» kaum bekannt ist. Nur rund 37 % haben ihn schon einmal gehört und lediglich etwa 13 % können ihn korrekt einordnen.

Hohe Zustimmung für konkrete Massnahmen
Umso bemerkenswerter ist, dass ein grosser Teil der Bevölkerung konkrete Massnahmen zur Förderung von Suffizienz unterstützt. 34 der 43 untersuchten Vorschläge finden bei einer Mehrheit Zustimmung, und zwar quer durch politische Lager und Parteipräferenzen hinweg.
Besonders hohe Zustimmung erhalten Massnahmen im Bereich Bildung, Information und Sensibilisierung und solche mit einem direkten Nutzen für Konsumentinnen und Konsumenten. Dazu gehört zum Beispiel das Recht auf Reparatur und längere Garantien. Weniger Zustimmung erhalten hingegen Massnahmen, die als direkte Einschränkung des Alltags wahrgenommen werden (z.B. autofreie Tage oder die Reduktion von Parkplätzen).

Die Rolle des Absenders
Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die Rolle der Absender. Die Zustimmung zu einzelnen Massnahmen hängt stark davon ab, wer sie in die öffentliche Diskussion einbringt. Je nach genanntem Akteur steigt oder sinkt die Zustimmung in bestimmten Bevölkerungsgruppen deutlich. Glaubwürdigkeit und Wahrnehmung des Absenders sind also zentral wichtig für die Akzeptanz.

Warum ist das relevant?
Die Studie zeigt, dass viele Menschen nachhaltigen Veränderungen offener gegenüberstehen als oft angenommen wird. Das gilt besonders dann, wenn die Vorschläge verständlich, alltagsnah und mit einem konkreten Nutzen verbunden sind. Gleichzeitig wird klar, dass Suffizienz als Begriff erklärungsbedürftig ist. Wer breite Bevölkerungsschichten erreichen will, muss an konkrete Lebensrealitäten anknüpfen und aufzeigen, wie Lebensqualität und geringerer Ressourcenverbrauch zusammenpassen.

Bedeutung für die Volkshochschulen
Genau hier spielen die Volkshochschulen eine wichtige Rolle. Sie bieten Räume, in denen solche Themen verständlich vermittelt und praxisnah diskutiert werden können. Gleichzeitig sind sie glaubwürdige Absender, die wichtige Themen ohne politische Polarisierung vermitteln. Kurse und Veranstaltungen zu Themen wie Konsum, Ernährung, Wohnen, Mobilität, Reparatur oder Lebensqualität schaffen dabei konkrete Zugänge.

Unser Projekt «Glück der Genügsamkeit»
Das Projekt «Glück der Genügsamkeit: Suffizienzbildung an den Volkshochschulen» knüpft an diese Potenziale an. Es unterstützt Volkshochschulen dabei, Themen rund um Suffizienz in ihr Programm aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Dabei geht es sowohl um konkrete Alltagsfragen als auch um übergeordnete Perspektiven auf Lebensqualität und das gute Leben innerhalb der Planetaren Grenzen. Im Zentrum steht ein positiver Zugang. Suffizienz wird nicht als Verzicht verstanden, sondern als Möglichkeit, neue Formen von Wohlstand und Lebensqualität zu entdecken.

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Portrait René Inderbitzin

René Inderbitzin

Projektleiter Nachhaltigkeit