Weiterbildung digital, scrollen, liken, linken

(He) Ich fahre im Zug von Zürich nach Bern, bereichert und gleichzeitig müde von der Tagung „Weiterbildung digital“, die vom Schweizerischer Verband für Weiterbildung SVEB, der Pädagogischen Hochschule Zürich PHZH und der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW am 25. Januar 2018 durchgeführt wurde. Vis-à-vis sitzt eine junge Frau, Kopfhörer über den Ohren. Sie blickt gebannt in ihr Handy, auf dem ein Kindertrickfilm läuft, wie ich aus dem Augenwinkel erspähe. Dann ein Telefonanruf, kurz darauf scrollt sie in Facebook, liked das eine, verlinkt das andere. Soweit ich sehe, schreibt sie keinen eigenen Text. Dann kommt die Kondukteurin vorbei. Die junge Frau möchte wissen, ob sie in diesem Zug bis Aigle sitzen bleiben könne. Bis Aigle? Die Kontrolleurin gibt Auskunft über Umsteigemöglichkeiten und Anschlüsse, die junge Frau fragt nach, da anscheinend nicht alles klar war. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass heute eine junge Frau mit Handy und Internetanschluss nicht fähig ist, den Fahrplan, den sie brauchen würde, zu nutzen.

Ich schwebe in anderen Sphären: Containerhafen mit führerlosen Transportlastwagen, Hochregallager, die per Roboter beladen werden (Referat Prof. Dr. Erik Haberzeth), ein Projekt von Coop und der PHZH (Referat Prof. Ulla Klingovsky), in dem die realen und digitalen Räume zu einem neuen Hybridraum verbunden werden oder die Zukunftsperspektiven digitaler Weiterbildung (Referat der E-Learningexpertin Claudia Bremer). Das waren Themen an der Tagung.

Wie verbinden wir die unterschiedlichen Ansprüche? Wo fliessen die Gelder für die Weiterbildung hin? Wie gelingt es uns, den „Digital Gap“ zwischen den Generationen, aber auch zwischen den geringer Qualifizierten und den Bessergestellten zu verringern?

Als mich die Nachbarin in Bern fragt, wo wir seien, ob sie aussteigen müsse, kann ich zwar locker und gerne helfen. Braucht es mehr? Müsste meine Nachbarin Unterstützung in Grundkompetenzen bekommen? Oder ist sie so ganz zufrieden und braucht einfach ein achtsames Umfeld? Ich bin mir nicht schlüssig, was richtig ist. Mein nächster Termin ist ein VSV-Kurs für Kursleitende in Lausanne zum Thema „La classe inversée“ mit dem Dozenten Marc Gagnepain. Damit sitzt der VSV auf jeden Fall im digitalen Zug und ich freue mich darauf.