Geschichte des VSV

Die Gründung der Volkshochschulen

Die ersten Schweizerischen Volkshochschulen wurden 1919 unter dem Eindruck der damaligen politischen Krise, die sich im Landesgeneralstreik von 1918 dramatisch manifestiert hatte, in den drei Städten Basel, Bern und Zürich ins Leben gerufen. Diese Gründungen waren von ausländischen Vorbildern, namentlich von der schon im 19.  Jahrhundert entstandenen Volkshochschulbewegung in Dänemark und den University Extensions in Grossbritannien, beeinflusst. Sie wollten sich einer breiten Volksbildung widmen, eine Bildungsgemeinschaft entwickeln und damit zur Überwindung der zutage getretenen Gegensätze zwischen den sozialen Schichten beitragen. In der Zwischenkriegszeit breitete sich diese Bewegung vor allem im Kanton Zürich mit der Schaffung von 36 lokalen Institutionen aus, während in der ganzen übrigen deutschsprachigen Schweiz in der gleichen Periode nur 8 neue Volkshochschulen entstanden. In der welschen Schweiz hingegen fehlten bis nach dem zweiten Weltkrieg, abgesehen von der in der Arbeiterbewegung verankerten und schon 1900 gegründeten Université Ouvrière de Genève, derartige Bildungseinrichtungen.

Der Dachverband

Die konstituierende Mitgliederversammlung des VSV fand am 30. Januar 1943 in Zürich statt. Insgesamt 9 Volkshochschulen hatten vorgängig oder an der Sitzung selbst ihre Bereitschaft zum Beitritt erklärt. Die Versammlung wählte den bekannten Biologen Herrn Prof. Dr. Adolf Portmann, Präsident der Volkshochschulkurse an der Universität Basel, zu ihrem Präsidenten. Die Leitung der Geschäftsstelle übernahm Herr Dr. Hermann Weilenmann, damaliger Direktor der Volkshochschulen des Kantons Zürich, der massgeblich und initiativ diesen Schritt vorbereitet hatte. Der Vertreter der Zürcher Regierung, Regierungsrat Dr. R. Briner, stellte in seinem Grusswort fest, dass „diese Gründung von nationaler Bedeutung sein kann, ihre Auswirkungen werden sich im kulturellen Leben unseres Volkes bemerkbar machen.“ Er fand, dass die kantonalen Regierungen ihre gewaltigen Leistungen für die Volksbildung mit einem vermehrten Einsatz für die Volkshochschulen ergänzen sollten.
Zu den erklärten Zielen des jungen Verbandes gehörte die Hilfe bei der Gründung neuer Volkshochschulen, um eine möglichst flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Angeboten der Erwachsenenbildung zu erreichen.
Der Erfolg dieser Bestrebungen kommt in der rasch wachsenden Zahl von Volkshochschulen vor allem nach dem Ende des zweiten Weltkrieges zum Ausdruck. Sie erfassten auch die französischsprachige Schweiz und das Tessin, sowie die romanischen Teile Graubündens. So kletterte die Mitgliederzahl des VSV in die Gegend von Hundert, wobei die etwa 50 unter dem Dach der Volkshochschule des Kantons Zürich zusammengefassten Zweigstellen nicht mitgezählt sind.

Entwicklung der Weiterbildung

1951 gehörte der VSV zu den Gründern SVEB, der Schweizerischen Vereinigung für Erwachsenenbildung (heute Schweizerischer Verband für Weiterbildung), um die Stimme der Weiterbildung zu stärken.
In den ersten 50 Jahren des Verbands gelang nicht bloss ein quantitatives Wachstum. Der VSV und seine Mitglieder realisierten auch bedeutende qualitative Entwicklungen bei ihren Angeboten. Während zu Beginn die Programme fast ausschliesslich aus Vortragsveranstaltungen bestanden, wurden sie später zunehmend mit anderen Formen der Bildungsvermittlung bereichert: Arbeitskurse, Studiengruppen, Exkursionen, Studienreisen und Wochenendtagungen.
Neben kurzen Zyklen mit wenigen Vorträgen werden nun auch mehrsemestrige Studiengänge angeboten, die zum Teil mit Prüfungen für international anerkannte Zertifikate abgeschlossen werden können. Zur entsprechenden Unterstützung seiner Mitglieder trat der VSV der International Certificate Conference (ICC), die vor allem Sprachdiplome auf Grund von Prüfungen gemäss gemeinsamer Normen anbietet, und der Europäischen Informatik-Konferenz (EURIC) bei.
In den späten 1990er Jahren organisierte der VSV mit einzelnen Mitgliedern für alle Volkshochschulen international anerkannte Sprachprüfungen mit Zertifikat; er übernahm auch die Qualifikation der Prüfenden. Im europäischen Umfeld beteiligte sich der VSV an Lernpartnerschaften und Bildungsprojekten der EU. Die Pflege der Beziehungen und des Austausches mit Volkshochschulorganisationen in Deutschland, Frankreich und Österreich wurden wichtig, ebenso regelmässige spezifische Treffen der grossstädtischen Volkshochschulen im deutschsprachigen Raum. Für die Mitglieder setzte der Verband sich ein mit Angeboten zur Weiterbildung von Kursleitenden und administrativ tätigen Personen, häufig Freiwilligen. Er entwickelte mit einzelnen Volkshochschulen ein elektronisches Programm für die Kursbewirtschaftung, das heute zu günstigen Konditionen allen offen steht.
Ab den 1990er Jahren wurde der VSV als nationale Organisation der kulturellen Erwachsenenbildung vom Eidgenössischen Departement des Innern subventioniert, ab 2012 spezifisch für den Kampf gegen den Illettrismus. Das Bundesgesetzes über die Weiterbildung motiviert den VSV und die Volkshochschulen, vermehrt Angebote für Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen Erwachsener bereitzustellen. Denn angemessene Fertigkeiten in Lesen und Schreiben, Alltagsmathematik und in der Nutzung elektronischer Geräte sind Voraussetzungen für das lebenslange Lernen.

Ausweg aus der Krise

Nach einer tiefen finanziellen wie organisatorischen Krise in den Jahren 2012-2014 hat der VSV nach einer Erneuerung von Vorstand und Geschäftsstelle wieder Tritt gefasst. Die Volkshochschulen sehen sich als Mitglieder einer Familie, tauschen sich aus und stärken sich gegenseitig. Sie  setzten dem Verband für die Jahre 2017 bis 2020 hohe Ziele. Auf diese Ziele einigte sich dann der Vorstand mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI in der Form einer Leistungsvereinbarung. Diese verpflichtet den VSV zu präzis umschriebenen und terminierten Massnahmen im Interesse des Weiterbildungssystems unseres Landes. Der VSV wirkt zu dem Zweck nach innen, indem er die Volkshochschulen in ihrer Bildungsarbeit unterstützt. Und er engagiert sich gegen aussen, in der schweizerischen Politik der Weiterbildung und im angrenzenden Ausland. Hier vertritt der VSV die Idee einer allgemeinen humanistischen und kulturellen Erwachsenenbildung als Korrektiv zur politisch privilegierten beruflichen Weiterbildung. Hinzu kommt neu die Beteiligung am Aufbau und an der Koordination von Netzwerken für den Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen Erwachsener.